
Peugeot 2.0 HDi und BlueHDi (DCM3.5/DCM6.2): Tuning für 308, 508, 3008
Der 2.0 HDi steckt in fast jedem größeren Peugeot. Welche Motorvarianten es gibt, welche Steuergeräte verbaut sind und was Software realistisch bringt.
25. Oktober 2026 von Leo Efimow
Wer einen Peugeot 308, 508 oder 3008 mit Dieselmotor fährt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit einen 2.0 HDi unter der Haube. Der Vierzylinder ist seit Ende der Neunziger das Rückgrat der PSA-Diesel und wurde über die Jahre so oft überarbeitet, dass „2.0 HDi" heute eher eine Familie als ein einzelner Motor ist. Für das Tuning ist genau das entscheidend: Zwischen einem frühen 90-PS-Achtventiler und einem aktuellen BlueHDi mit SCR-Katalysator liegen zwei Jahrzehnte Einspritztechnik und mehrere Steuergeräte-Generationen von Bosch, Siemens und Delphi.
Die Motorvarianten im Überblick
Die Motoren tragen bei PSA die interne Bezeichnung DW10, der Buchstabe dahinter verrät die Entwicklungsstufe. Unser Katalog führt für Peugeot unter anderem diese Varianten:
| Motor | Leistung (Katalog) | Typische Modelle | Steuergerät |
|---|---|---|---|
| DW10TD (RHY) | 90 PS | 206, 306, 307, 406 | Bosch EDC15C2 |
| DW10ATED (RHS/RHZ) | 110 PS | 307, 406, 607, 807 | Bosch EDC15C2 / Siemens SID801 |
| DW10BTED4 (RHR) | 136–140 PS | 307, 308, 407, 508, 607 | Siemens SID803 / Delphi DCM3.4 |
| DW10CTED4 (RHE/RHH) | 150–165 PS | 3008, 5008, 508, RCZ | Delphi DCM3.5 |
| DW10F (BlueHDi) | je nach Version | 308 II, 508, 3008 II, 5008 II | Delphi DCM6.2A / DCM6.2C |
Die frühen Achtventiler (DW10TD, DW10ATED) sind robuste Common-Rail-Diesel der ersten Generation. Mit dem DW10BTED4 kamen 16 Ventile, Partikelfilter und eine deutlich feinere Einspritzung, mit dem DW10CTED4 die Euro-5-Abstimmung. Der DW10F ist die BlueHDi-Ausführung mit SCR-System und AdBlue, technisch ein anderer Motor als seine Vorgänger, auch wenn der Hubraum gleich geblieben ist.

Steuergeräte: Warum DCM3.5 und DCM6.2 nicht dasselbe sind
Für die Software zählt nicht der Motorcode, sondern das Steuergerät. Bei den meisten 2.0 HDi der Euro-5-Zeit (im 3008 und 5008 der ersten Generation, im 508 mit 163/165 PS und im RCZ) arbeitet ein Delphi DCM3.5. Die DW10BTED4-Varianten laufen je nach Modell mit Siemens SID803/803A oder Delphi DCM3.4. Die ganz frühen Motoren nutzen noch die Bosch EDC15C2.
Mit dem BlueHDi kam die Delphi DCM6.2 (im Katalog als DCM6.2A und DCM6.2C geführt). Das ist eine deutlich modernere Generation mit mehr Rechenleistung, aufwendigerer Abgasnachbehandlungs-Logik und vor allem: einem stärkeren Schreibschutz. Je nach Softwarestand lässt sich die DCM6.2 nicht einfach über die OBD-Buchse beschreiben; dann muss das Steuergerät ausgebaut und auf der Werkbank im Bench- oder Boot-Verfahren bearbeitet werden. Ob das bei deinem Fahrzeug nötig ist, klären wir anhand der genauen Steuergeräte-Kennung. Pauschal lässt sich das nicht sagen.
Was die Software beim 2.0 HDi verändert
Eine seriöse Stage-1-Abstimmung greift beim HDi in dieselben Kennfelder wie bei jedem modernen Common-Rail-Diesel: Drehmomentbegrenzung, Einspritzmenge, Raildruck, Ladedruck-Sollwerte und die Rauchbegrenzung, die festlegt, wie viel Kraftstoff bei einer bestimmten Luftmasse eingespritzt werden darf. Entscheidend ist, dass diese Werte zusammenpassen. Mehr Menge ohne passenden Ladedruck führt zu Rußbildung und hohen Abgastemperaturen; mehr Ladedruck ohne Anpassung der Turbolader-Steuerung führt zu Überschwingern.
Als typische Richtwerte für Stage 1 führen unsere Daten je nach Steuergerät:
- Delphi DCM3.4/DCM3.5 (DW10BTED4, DW10CTED4): etwa 20–30 % mehr Leistung und Drehmoment
- Siemens SID803/803A (DW10BTED4 in 307, 607, 807): ebenfalls etwa 20–30 %
- Delphi DCM6.2 (BlueHDi DW10F): etwa 15–25 % mehr Leistung und Drehmoment
Der kleinere Spielraum beim BlueHDi ist kein Zufall. Die Euro-6-Motoren sind enger auf ihre Abgasgrenzwerte abgestimmt, und die Software muss mit SCR-Katalysator, Partikelfilter und der dazugehörigen Regelung harmonieren. Das sind Richtwerte, keine Garantie. Der tatsächliche Gewinn hängt vom Zustand des Motors, vom Softwarestand und von der Getriebevariante ab.
Getriebe, Kupplung und Partikelfilter
Beim 2.0 HDi gibt es zwei Bauteilgruppen, die man vor dem Tuning anschauen sollte. Die erste ist der Antriebsstrang: Viele 508 und 3008 fahren mit Wandlerautomatik von Aisin, die Schaltwagen mit Zweimassenschwungrad. Ein ZMS, das bereits klappert, wird mit mehr Drehmoment nicht besser. Bei der Automatik sorgt eine saubere Abstimmung dafür, dass das zusätzliche Drehmoment weich aufgebaut wird, statt als Lastspitze auf die Kupplungen zu treffen.
Die zweite Gruppe ist die Abgasnachbehandlung. Ein Partikelfilter, der kurz vor dem Zusetzen steht, oder eine verkokte AGR quittieren jede Leistungssteigerung mit häufigeren Regenerationen und Notlauf. Bei der Gelegenheit ein klares Wort: DPF, AGR und AdBlue-System abzuschalten oder zu entfernen ist Abgasmanipulation und im Straßenverkehr verboten. Eine Software-Optimierung arbeitet mit diesen Systemen, nicht gegen sie.
Weitere Optionen
Für die Delphi- und Siemens-Familien des 2.0 HDi sind neben der Leistungssteigerung weitere Software-Funktionen dokumentiert:
- Stage 1+ als feinere Ausbaustufe der Leistungsabstimmung
- ECO-Tuning mit mehr Drehmoment im unteren und mittleren Drehzahlbereich bei unveränderter Endleistung, interessant für Vielfahrer mit 508 SW oder 5008
- Sharp Throttle für ein direkteres Ansprechen des Gaspedals
- Vmax-Aufhebung: Hier gilt: Reifen-Geschwindigkeitsindex und Eintragung beachten
- DTC Off ausschließlich für nicht-emissionsrelevante Fehlercodes, etwa nach einem genehmigten Umbau
Stage 2 mit zusätzlicher Hardware (Ladeluftkühler, Abgasanlage ab Turbo mit Kat/DPF und Gutachten) ist bei den DCM3.5- und DCM6.2-Motoren möglich; bei den SID803-Varianten nur eingeschränkt sinnvoll.
Ablauf und Preis
Peugeot gehört bei uns zu den Marken, die wir nicht per Fern-Flash, sondern direkt am Steuergerät bearbeiten. Du hast zwei Wege: Du kommst mit dem Fahrzeug zu einem Wunschtermin nach Stödtlen, oder du baust das Steuergerät aus und schickst es uns ein. Der Preis ist in beiden Fällen derselbe, und du kannst beides online buchen.
Ein paar Beispiele aus unserem Regelwerk: Den Peugeot 508 2.0 HDi mit 165 PS und den 3008 2.0 HDi mit 150 PS mit Delphi DCM3.5 gibt es ab 200 € für Stage 1. Der 308 II 2.0 BlueHDi mit DCM6.2 liegt ab 300 €, beim 3008 II kommt durch das Baujahr ab 2015 ein Zuschlag hinzu. Den genauen Preis für deine Variante zeigt dir der Konfigurator.
Wichtig zur Rechtslage: Durch die Softwareänderung erlischt die Betriebserlaubnis deines Fahrzeugs. Die Software ist ausschließlich für den Motorsport bestimmt. Details findest du im Motorsport-Hinweis.
Häufige Fragen aus der Werkstatt
Woran erkenne ich, ob mein 2.0 HDi ein DCM3.5 oder ein DCM6.2 hat? Der schnellste Hinweis ist die Abgasnorm: Ein BlueHDi mit AdBlue-Tank ist praktisch immer ein DW10F mit DCM6.2. Bei den Euro-5-Motoren mit 150 bis 165 PS ist die DCM3.5 der Regelfall. Sicher ist aber erst die Kennung auf dem Steuergerät oder das Auslesen per Diagnose. Ein Foto des Typenschilds reicht uns meist, um die Variante vorab zu bestimmen.
Merke ich den Unterschied auch mit Automatik? Ja, oft sogar deutlicher als beim Schaltwagen. Die Wandlerautomatik schaltet mit mehr Drehmoment früher hoch und hält den Motor im effizienten Bereich. Wichtig ist, dass die Software das Drehmoment weich aufbaut und die Grenzen des Getriebes respektiert. Dann bleibt das Schaltverhalten komfortabel.
Muss ich danach etwas an der Wartung ändern? Die Herstellerintervalle gelten weiter, bei viel Anhängerbetrieb oder hoher Dauerlast spricht nichts gegen etwas kürzere Ölwechsel. Wichtiger ist, dass der Partikelfilter regelmäßig regenerieren kann: Wer fast nur Kurzstrecke fährt, sollte ab und zu eine längere Autobahnetappe einplanen. Und: Bei jeder seriösen Bearbeitung wird vor dem Schreiben der Originalstand des Steuergeräts gesichert.
Fazit
Der 2.0 HDi ist kein einheitlicher Motor, sondern eine Familie mit fünf Entwicklungsstufen und mindestens vier Steuergeräte-Typen. Die Euro-5-Motoren mit Delphi DCM3.5 bieten mit typisch 20–30 % den größten Spielraum, der BlueHDi mit DCM6.2 etwas weniger und häufig einen aufwendigeren Zugang. Wer vor dem Tuning ZMS, Partikelfilter und AGR prüft und die Abgasnachbehandlung intakt lässt, bekommt einen spürbar kräftigeren Diesel ohne Charakterverlust. Mehr zu den Steuergeräten findest du im Beitrag über Delphi DCM3 bis DCM6 und im Glossar unter HDi.