
Delphi DCM3 bis DCM6: Diesel-Steuergeräte erklärt
Von DDCR und DCM1.2 über DCM3.5 bis DCM6.2: Wo Delphi-Steuergeräte verbaut sind, wie sie sich unterscheiden und was das für Zugang, Tuning und Preis bedeutet.
25. Oktober 2026 von Leo Efimow
Bei Diesel-Steuergeräten denken die meisten zuerst an Bosch. Dabei steckt in einem großen Teil der europäischen Kleinwagen- und Kompaktdiesel ein Steuergerät von Delphi: im Renault 1.5 dCi, im Peugeot und Citroën 2.0 HDi, im Ford 2.0 TDCi, in Hyundai und Kia, im Opel 1.7 CDTI und in Mercedes-Motoren. Wer einen dieser Motoren tunen will, sollte wissen, welche DCM-Generation verbaut ist, denn davon hängen Zugangsweg, Spielraum und Preis ab.
Delphi im Diesel: Einspritzsystem und Steuergerät aus einer Hand
Delphi hat im Diesel nicht nur Steuergeräte geliefert, sondern komplette Common-Rail-Systeme mit Hochdruckpumpe, Injektoren und Elektronik. Die Abkürzung DDCR steht für dieses „Delphi Diesel Common Rail". Die Steuergeräte heißen DCM (Diesel Control Module) und tragen eine Generationsnummer. Das Diesel-Geschäft gehörte später zu Delphi Technologies und ist heute Teil von BorgWarner. In Werkstätten und Tuning-Werkzeugen hat sich der Name Delphi aber gehalten.
Die Generationen im Überblick
| Generation | Typische Anwendungen (Katalog) | Familie in unseren Daten |
|---|---|---|
| DDCR, DCM1.2 | Renault/Dacia/Nissan 1.5 dCi (früh), Clio II/III, Kangoo, Logan, Micra | Delphi DCM1–3 |
| DCM3.2, DCM3.4 | 1.5 dCi (mittlere Jahre), SsangYong, Kia, Peugeot 2.0 HDi (DW10BTED4) | Delphi DCM1–3 |
| DCM3.5 | PSA/Ford 2.0 HDi/TDCi (DW10CTED4), Fiat Scudo | Delphi DCM1–3 |
| DCM3.7 | Hyundai/Kia 1.4/1.6 CRDi, Chevrolet, Opel | Delphi DCM1–3 |
| Delco E87 | Opel 1.7 CDTI ecoFlex | Delphi DCM1–3 |
| DCM6.x (6.2A/6.2C) | PSA 2.0 BlueHDi, Ford, einzelne VAG-Varianten | Delphi DCM6–7 |
| DCM7.x | jüngste Generation | Delphi DCM6–7 |
| CRD3.x | Mercedes OM651 / OM607, Jeep 2.2 CRD | Delphi CRD3 |
Am häufigsten begegnet uns die DCM3.5: Im Katalog ist sie das mit Abstand am weitesten verbreitete Delphi-Steuergerät, gefolgt von DCM1.2, DCM3.7 und DCM3.4. Die DCM6.x ist vor allem bei Ford und PSA zu finden.

Was die Generationen unterscheidet
DDCR und DCM1.2 sind die frühen Steuergeräte der ersten Common-Rail-Jahre. Sie steuern vergleichsweise einfache Einspritzstrategien, meist ohne aufwendige Abgasnachbehandlung. Für das Tuning sind sie gut zugänglich, der Spielraum wird eher durch Pumpe, Injektoren und Lader begrenzt als durch die Elektronik.
DCM3.x brachte mehr Rechenleistung, Mehrfacheinspritzung, Partikelfilter-Regelung und eine aufwendigere Drehmomentstruktur. Hier gilt: Die Lesemethode hängt stark von der Variante ab. Manche DCM3.x werden per OBD gelesen, andere auf der Werkbank, einige nur im Tricore-Boot-Modus mit geöffnetem Gehäuse.
DCM6.x ist die Euro-6-Generation mit SCR-Regelung und AdBlue. Diese Steuergeräte sind häufig schreibgeschützt; je nach Softwarestand ist ein Bench- oder Boot-Zugang nötig, teilweise mit vorherigem Unlock. Die Werkzeugabdeckung schwankt stark je Softwareversion.
DCM7.x ist die jüngste Generation. Sie wird in unserem Preis-Regelwerk wie die aktuellsten Bosch-Generationen behandelt, weil das Steuergerät in der Regel geöffnet werden muss.
Was Software bei Delphi-Motoren bringt
Unsere Daten nennen für die Stage 1 je nach Familie typische Richtwerte:
- Delphi DCM1–3 (inkl. DDCR, DCM3.5, DCM3.7, Delco E87): etwa 20–30 % mehr Leistung und Drehmoment
- Delphi DCM6–7: etwa 15–25 % mehr Leistung und Drehmoment
- Delphi CRD3 (Mercedes OM651): etwa 20–30 %
Der kleinere Spielraum der DCM6-Generation hat denselben Grund wie bei anderen Euro-6-Dieseln: Die Motoren sind enger auf Emissionsgrenzen abgestimmt, und die Software muss mit SCR-Katalysator und Partikelfilter harmonieren. Stage 2 mit Hardware ist für die Delphi-Familien möglich, aber nur eingeschränkt sinnvoll, wenn Lader und Injektoren bereits nahe am Limit arbeiten.
An Optionen sind für die Delphi-Familien ECO-Tuning, Sharp Throttle, Vmax-Aufhebung, eine leichte Drehzahlbegrenzer-Anhebung (beim Diesel selten sinnvoll) und DTC Off für nicht-emissionsrelevante Fehlercodes dokumentiert. Das Abschalten von DPF, AGR oder AdBlue-System ist Abgasmanipulation und im Straßenverkehr verboten. Technisch dokumentiert heißt nicht erlaubt.
Woran du erkennst, welches Steuergerät du hast
Das Typenschild auf dem Steuergerät trägt bei Delphi meist die Bezeichnung „DCM" mit Generationsnummer und eine Hardware-Nummer. Ohne Ausbau lässt sich die Generation oft über die Diagnose auslesen. Wichtig: Beim selben Motor wurden über die Bauzeit verschiedene Generationen verbaut. Ein Renault 1.5 dCi kann je nach Baujahr ein Delphi-, ein Siemens- oder ein Bosch-Steuergerät haben. Deshalb fragen wir vor dem Termin nach Fahrzeugschein-Daten oder einem Foto des Typenschilds.
Wie sich das im Preis niederschlägt
Unser Preis-Regelwerk richtet sich nach der Steuergeräte-Generation, nicht nach der Marke. Ein paar Beispiele: Der Renault Clio III 1.5 dCi mit 86 PS mit DCM1.2 liegt ab 175 € für Stage 1, der Peugeot 508 2.0 HDi mit 165 PS mit DCM3.5 ab 200 €, der Peugeot 308 II 2.0 BlueHDi mit DCM6.2 ab 300 €. Muss ein Steuergerät für den Zugang geöffnet werden, kommt ein Zuschlag hinzu. Für dein Fahrzeug zeigt der Konfigurator den genauen Preis.
Fahrzeuge außerhalb von BMW bearbeiten wir direkt am Steuergerät: vor Ort in Stödtlen zu deinem Wunschtermin oder per Einsendung, zum gleichen Preis, online buchbar. Durch die Softwareänderung erlischt die Betriebserlaubnis; die Software ist ausschließlich für den Motorsport bestimmt (Motorsport-Hinweis).
Häufige Fragen aus der Werkstatt
Ist ein Delphi-Steuergerät schlechter zu tunen als ein Bosch? Nicht schlechter, aber anders. Bosch-Steuergeräte sind in der Branche besonders breit dokumentiert, bei Delphi hängt die Werkzeugabdeckung stärker von Generation und Softwarestand ab. Bei den gängigen DCM3.x-Varianten ist eine saubere Stage 1 Routine, bei der DCM6-Generation ist mehr Vorarbeit nötig.
Was bedeutet Tricore-Boot-Modus bei einer DCM3? Einige DCM3-Varianten basieren auf Tricore-Prozessoren und lassen sich nur beschreiben, wenn das Gehäuse geöffnet und der Prozessor über einen speziellen Startmodus angesprochen wird. Das ist ein etablierter Weg, verlangt aber Erfahrung und sauberes Arbeiten, damit Gehäuse und Platine unbeschädigt bleiben.
Kann ich nach dem Tuning noch Updates beim Händler bekommen? Ein Werkstatt-Update überschreibt in der Regel die angepasste Software mit einem neuen Serienstand. Danach ist das Tuning weg, und das Steuergerät müsste erneut bearbeitet werden. Wer regelmäßig in die Vertragswerkstatt fährt, sollte das wissen. Der Originalstand, der vor dem Schreiben gesichert wird, ist davon unabhängig.
Fazit
Delphi-Steuergeräte sind im europäischen Diesel-Alltag allgegenwärtig, von der DCM1.2 im frühen Clio bis zur DCM6.2 im BlueHDi. Die älteren Generationen sind gut zugänglich und bieten typisch 20–30 % Spielraum, die Euro-6-Generation etwas weniger und häufig einen aufwendigeren Zugang. Wer seine Generation kennt, weiß, was ihn erwartet. Passende Fahrzeug-Beiträge: Peugeot 2.0 HDi und Renault 1.5 dCi; im Glossar unter DCM.