
Mercedes-AMG A 45: Was nach Werk noch geht
Mercedes-AMG A 45, CLA 45 und GLA 45 mit M133 und MED17.7: Reserven, Grenzen von Turbo, Ladeluft und Doppelkupplungsgetriebe, Optionen und Ablauf.
25. Oktober 2026 von Leo Efimow
Als Mercedes-AMG 2013 den A 45 vorstellte, war der Motor eine Ansage: ein Zweiliter-Vierzylinder mit Turbolader, der bei seiner Einführung als stärkster Serien-Vierzylinder der Welt galt. Den M133 gab es nicht nur im A 45, sondern auch im CLA 45 und im GLA 45, alle mit Allradantrieb und Doppelkupplungsgetriebe. Wer so ein Fahrzeug fährt, stellt sich irgendwann die Frage: Was geht nach Werk noch? Die ehrliche Antwort lautet: einiges, aber weniger als bei einem gewöhnlichen Großserien-Turbo, und mit deutlich mehr Augenmerk auf Temperaturen und Getriebe. Dieser Beitrag erklärt, warum.
Der M133 und sein Steuergerät
Der M133 ist ein eigenständiger AMG-Motor mit verstärktem Kurbeltrieb, Twin-Scroll-Turbolader und Benzin-Direkteinspritzung. Gesteuert wird er von einer Bosch MED17.7, derselben Steuergeräte-Familie wie bei den Mercedes-Großserienbenzinern M270 und M274. Das ist für das Tuning eine gute Nachricht: Die MED17.7 ist gut dokumentiert, Lese- und Schreibzugang sind in der Regel über OBD möglich.
In unserem Katalog ist der M133 für drei Modelle hinterlegt:
- A 45 AMG (W176),
- CLA 45 AMG (C117),
- GLA 45 AMG (X156).

Der Nachfolger A 45 der Baureihe W177 mit dem neuen M139 ist dort bislang nicht erfasst und läuft über eine Anfrage im Konfigurator.
Was realistisch ist und warum weniger als beim Großserienmotor
Für die MED17.7-Familie nennt unsere Datenbasis als typischen Richtwert für Turbomotoren 15 bis 30 Prozent mehr Leistung und Drehmoment bei Stage 1. Beim M133 ist das obere Ende dieser Spanne aber schwerer zu erreichen als bei einem M274 in einer schwachen Leistungsstufe. Der Grund ist einfach: AMG hat den Motor ab Werk bereits weit ausgereizt. Die Reserven, die bei Großserienmotoren aus Marketing- und Typengründen in der Software stecken, sind beim Topmodell schon zu einem guten Teil genutzt.
Was trotzdem bleibt, sind Reserven für unterschiedliche Kraftstoffqualitäten, Klimazonen und Belastungsprofile. Ein M133, der in Mitteleuropa mit 98-Oktan-Kraftstoff gefahren wird, hat andere Spielräume als die Werksabstimmung, die auch mit schlechterem Sprit in heißen Ländern zurechtkommen muss. Genau diese Reserven nutzt eine seriöse Abstimmung, mit aktiver Klopfregelung, die Zündung zurücknimmt, sobald der Kraftstoff nicht mitspielt.
Die eigentlichen Grenzen: Luft, Wärme, Getriebe
Beim A 45 begrenzt selten die Software, sondern die Peripherie. Drei Punkte sind entscheidend:
Ladelufttemperatur. Der kompakte Motorraum und der hoch aufgeladene Vierzylinder führen dazu, dass die Ansaugluft bei wiederholter Volllast schnell warm wird. Steigt die Temperatur, nimmt das Steuergerät Zündung und Ladedruck zurück, die Leistung sinkt. Eine Stage-1-Datei kann das nicht verhindern, sie kann nur innerhalb der Temperaturgrenzen arbeiten. Wer häufig auf der Rennstrecke fährt, landet deshalb schnell bei einem größeren Ladeluftkühler und damit beim Thema Stage 2.
Turbolader. Der Serienlader ist auf die Werksleistung zugeschnitten. Mehr Ladedruck bedeutet höhere Laderdrehzahlen und Abgastemperaturen. Eine saubere Abstimmung respektiert die Grenzen des Laders, statt ihn am Anschlag zu betreiben.
Doppelkupplungsgetriebe. Der M133 ist mit dem AMG-Speedshift-DCT kombiniert, einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Das Getriebe hat ein eigenes Drehmomentlimit und eigene Kupplungsdrücke. Steigt das Motormoment deutlich, muss das zum Getriebe passen, sonst drohen Schlupf, härtere Schaltvorgänge und im Extremfall ein Schutzprogramm.
Wann Stage 2 sinnvoll wird
Stage 2 bedeutet beim A 45 nicht einfach „mehr Software", sondern eine Abstimmung, die auf geänderte Hardware reagiert. Typische Bausteine sind ein größerer Ladeluftkühler, eine geänderte Ansaugung und eine Abgasanlage ab Turbolader mit Sportkatalysator. Jedes dieser Teile verschiebt eine Grenze: Der Ladeluftkühler hält die Ansaugluft bei wiederholter Last kühler, die Abgasanlage senkt den Gegendruck hinter dem Lader. Erst dann lohnt es sich, Ladedruck und Zündung weiter zu öffnen.
Wichtig dabei: Abgasanlagen gibt es nur mit Katalysator und mit Teilegutachten oder ABE. Ein Rohr ohne Kat ist im Straßenverkehr nicht zulässig. Und je weiter die Leistung steigt, desto wichtiger wird das Getriebe. Beim Doppelkupplungsgetriebe entscheidet dessen Drehmomentgrenze, wie weit Stage 2 sinnvoll gehen kann.
Optionen für die MED17.7
Für das Steuergerät des A 45 führt unsere Datenbasis folgende Optionen:
| Option | Status |
|---|---|
| Stage 1+ / Stage 2+ | verfügbar |
| Sharp Throttle, ECO-Tuning | verfügbar |
| Vmax-Aufhebung, Drehzahlbegrenzer | verfügbar |
| Launch Control | verfügbar |
| No-Lift-Shift | auf Anfrage (nur Schaltgetriebe) |
| Pops & Bangs, Hardcut, Popcorn-Limiter | verfügbar, nur Motorsport |
| Anti-Lag (Soft-ALS) | auf Anfrage, nur Motorsport |
Launch Control bringt der A 45 mit „Race Start" bereits ab Werk mit; eine Anpassung kann Drehzahl und Ladedruckaufbau beim Start verändern. No-Lift-Shift ist mit dem Doppelkupplungsgetriebe praktisch kein Thema. Pops & Bangs, Hardcut, Popcorn-Limiter und Anti-Lag sind Motorsport-Funktionen: Sie belasten Katalysator, Turbolader und Abgasanlage erheblich und sind im öffentlichen Straßenverkehr nicht zulässig. Die Details stehen im Motorsport-Hinweis.
Vor dem Tuning prüfen
Ein A 45 ist oft schon einige Jahre und viele Kilometer gelaufen, nicht selten mit sportlicher Vorgeschichte. Vor dem Tuning lohnt ein Blick auf:
- Fehlerspeicher von Motor und Getriebe,
- Zündkerzen und Zündspulen (bei hoch aufgeladenen Motoren Verschleißteile),
- Dichtheit der Ladeluftstrecke,
- Zustand und Ölwechselhistorie des Doppelkupplungsgetriebes,
- Allradsystem und Hinterachsgetriebe.
Ein bereits geänderter Softwarestand (etwa von einem früheren Tuner) muss bekannt sein. Für eine saubere Abstimmung brauchen wir den Original-Datenstand als Basis.
Ablauf, Preis und Recht
AMG-Modelle tunen wir direkt am Steuergerät: vor Ort bei uns in Stödtlen zum Wunschtermin oder per Einsendung des ausgebauten Steuergeräts. Der Preis ist in beiden Fällen gleich, gebucht wird online. Weil Leistungsklasse und Baujahr in den Preis einfließen, zeigt dir der Konfigurator den konkreten Betrag für dein Fahrzeug.
Rechtlich gilt: Durch die Softwareänderung erlischt die Betriebserlaubnis deines Fahrzeugs; die Software ist ausschließlich für den Motorsport bestimmt. Bei einem Fahrzeug mit Restgarantie oder im Leasing solltest du die Konsequenzen vorher klären.
Fazit
Der A 45 hat nach Werk noch Reserven, aber er ist kein Großserienmotor, bei dem die Software die Hauptbremse ist. Die realistischen Spielräume liegen innerhalb der typischen MED17.7-Spanne, die Grenzen setzen Ladelufttemperatur, Turbolader und Doppelkupplungsgetriebe. Wer das akzeptiert und eine Abstimmung wählt, die alle Schutzfunktionen aktiv lässt, bekommt einen spürbar kräftigeren, aber weiterhin standfesten AMG.
Was für deinen A 45, CLA 45 oder GLA 45 möglich ist, siehst du im Konfigurator.