
Bosch, Continental, Delphi, Marelli, Denso, Keihin: Wer baut welches Steuergerät
Die wichtigsten Hersteller von Motorsteuergeräten im Überblick: wer welche Familien baut, in welchen Fahrzeugen sie stecken und warum das fürs Tuning zählt.
26. Oktober 2026 von Leo Efimow
Ein Auto trägt das Logo seiner Marke, aber das Motorsteuergerät kommt fast nie vom Fahrzeughersteller selbst. Es stammt von einem Zulieferer, und welcher das ist, hat für das Tuning mehr Gewicht als die Marke auf der Motorhaube. Ein Peugeot kann ein Bosch-, ein Continental- oder ein Delphi-Steuergerät haben, ein BMW ein Bosch- oder ein Siemens-Gerät. Dieser Beitrag gibt dir einen Überblick über die wichtigsten Hersteller, ihre Steuergeräte-Familien und die Fahrzeuge, in denen sie typischerweise stecken.
Warum der Steuergeräte-Hersteller zählt
Für das Tuning bestimmt der Hersteller des Steuergeräts drei Dinge:
- Den Aufbau der Software: Jeder Hersteller hat eigene Konzepte, wie Drehmoment, Füllung und Schutzfunktionen organisiert sind.
- Den Zugangsweg: OBD, Werkbank oder geöffnetes Gehäuse: Das hängt von Hersteller, Familie und Generation ab.
- Die Werkzeugunterstützung: Manche Familien sind in der Branche breit erschlossen, bei anderen hängt viel von der genauen Variante und dem Softwarestand ab.
Unser Preis richtet sich deshalb nach der Steuergeräte-Generation, nicht nach der Automarke.

Die Hersteller im Überblick
| Hersteller | Typische Familien | Typisch verbaut in |
|---|---|---|
| Bosch | EDC15/16/17, MD1 (Diesel); ME7, MED9, MED17, ME17, MG1 (Benzin) | VW, Audi, Seat, Skoda, BMW, Mercedes, Ford, Opel, Fiat, PSA, Hyundai/Kia |
| Siemens / Continental | SID80x, SID20x, SID30x (Diesel); Simos, SIM, EMS (Benzin); bei BMW MS4x, MSV, MSD | PSA, Ford, Renault/Dacia/Nissan, Land Rover, Jaguar, VAG-Benziner, ältere BMW |
| Delphi | DDCR, DCM1.2, DCM3.x, DCM6.x, CRD3 | Renault/Dacia 1.5 dCi, PSA/Ford 2.0 HDi/TDCi, Hyundai/Kia, Opel, Mercedes OM651 |
| Magneti Marelli | Multijet-Diesel (MJD, MJ8, MJ9); IAW, 8GMF (Benzin) | Fiat, Alfa Romeo, Lancia, Abarth, Opel/Suzuki 1.3 Diesel, ältere VAG-Sauger |
| Denso | Diesel- und Benzin-Steuergeräte, teils mit Transtron | Toyota, Lexus, Mazda, Subaru, Isuzu, Jaguar/Land Rover 5.0 Kompressor |
| Keihin | Motorrad- und Pkw-Motorsteuerungen | KTM, Husqvarna, Husaberg; Honda |
Daneben gibt es weitere Hersteller mit kleinerem Anteil in Europa, etwa Visteon bei älteren Ford-Modellen, Sagem und Valeo bei Renault, Mitsubishi Electric, Hitachi und Kefico bei japanischen und koreanischen Fahrzeugen.
Bosch: der Marktführer
Bosch ist in Europa mit Abstand der größte Lieferant von Motorsteuergeräten. Die Motronic für Benziner und die EDC für Diesel haben ganze Generationen geprägt. Die EDC17 steuert eine ganze Diesel-Generation von VAG über BMW bis Mercedes, die MED17 die Benzin-Direkteinspritzer derselben Zeit. Die Nachfolger heißen MD1 (Diesel) und MG1 (Benzin) und sind deutlich stärker gegen Veränderungen geschützt.
Details stehen in den Beiträgen zur Bosch EDC17 und zur Bosch MED17. Wie du die Bosch-Teilenummern auf dem Etikett liest, erklärt Bosch-Nummern lesen.
Siemens, VDO, Continental
Hinter den Namen Siemens, Siemens VDO und Continental steht dieselbe Linie. Die Diesel-Steuergeräte heißen SID und stecken vor allem in PSA-, Ford- und Renault-Dieseln. Bei VAG-Benzinern ist die Simos verbreitet, bei BMW stammten viele Benzin-Steuergeräte der E-Generation von Siemens, etwa die MS43 im 330i (E46) mit M54-Motor oder die MSD80 im 335i (E9x) mit N54. Mehr dazu im Beitrag Siemens/Continental SID erklärt und in der Firmengeschichte Siemens, VDO, Continental, Vitesco.
Delphi: stark im Diesel
Delphi hat im Diesel nicht nur Steuergeräte geliefert, sondern komplette Common-Rail-Systeme. Die DCM-Familie findet sich im Renault 1.5 dCi, in PSA- und Ford-Dieseln, bei Hyundai, Kia und Opel; die CRD3 in Mercedes-Dieseln. Das Diesel-Geschäft ist heute Teil von BorgWarner, der Name Delphi hat sich in Werkstätten gehalten. Ausführlich im Beitrag Delphi DCM3 bis DCM6.
Magneti Marelli: Italiens Elektronik
Magneti Marelli wurde 1919 als Gemeinschaftsunternehmen von Fiat und Ercole Marelli gegründet und war lange Teil des Fiat-Konzerns. Im Tuning begegnen dir Marelli-Steuergeräte vor allem beim 1.3 Multijet in Fiat, Alfa Romeo, Lancia, Opel und Suzuki sowie bei den Benzinern mit MultiAir und TwinAir. Ältere IAW-Steuergeräte steckten auch in kleinen VAG- und PSA-Benzinern. Seit 2019 firmiert das Unternehmen nach dem Zusammenschluss mit Calsonic Kansei als Marelli.
Denso: die japanische Linie
Denso ist eng mit dem Toyota-Konzern verbunden und beliefert viele japanische Hersteller. Typisch sind Toyota und Lexus, Mazda mit SkyActiv-Motoren, Subaru-Boxer sowie die Kompressor-V8 von Jaguar und Land Rover. Denso-Steuergeräte folgen eigenen Konzepten und sind in der Branche weniger breit dokumentiert als Bosch. Mehr im Beitrag Denso-Steuergeräte: Warum Japaner anders ticken.
Keihin: vom Vergaser zur Motorrad-Elektronik
Keihin ist im Pkw-Bereich vor allem von Honda bekannt, in unserem Alltag aber durch Motorräder: Die Einspritz-Steuergeräte von KTM, Husqvarna und Husaberg stammen von Keihin. Seit 2021 gehört Keihin zusammen mit Showa und Nissin Kogyo zu Hitachi Astemo. Wie das Tuning bei den Offroad-Motorrädern abläuft, beschreibt der Beitrag KTM EXC Tuning mit Keihin; konfigurieren kannst du dein Motorrad im Motorrad-Konfigurator.
Ein Motor, mehrere Hersteller
Ein wichtiger Punkt für die Praxis: Der Motor legt den Steuergeräte-Hersteller nicht fest. Fahrzeughersteller kaufen bei mehreren Zulieferern ein und wechseln über die Bauzeit. Der Renault 1.5 dCi ist das bekannteste Beispiel: Je nach Baujahr und Ausführung steuert ihn ein Delphi-, ein Siemens/Continental- oder ein Bosch-Gerät. Auch bei PSA-Dieseln und bei Ford wechseln Bosch, Siemens/Continental und Delphi je nach Motor und Generation.
Deshalb fragen wir vor dem Termin nach den Fahrzeugdaten und am liebsten nach einem Foto des Steuergeräte-Etiketts. Wie du das findest, steht im Beitrag Welches Steuergerät hab ich?.
Häufige Fragen aus der Werkstatt
Ist ein Bosch-Steuergerät besser zu tunen als eines von einem anderen Hersteller? Nicht besser, aber oft breiter erschlossen. Bosch-Familien sind in der Branche besonders gut dokumentiert. Bei anderen Herstellern hängt mehr von der genauen Variante ab. Eine saubere Anpassung ist bei allen gängigen Familien möglich.
Woran erkenne ich den Hersteller ohne Ausbau? Über die Diagnose: Viele Tester zeigen den Steuergeräte-Hersteller oder die Typbezeichnung an. Die Teilenummer verrät den Hersteller ebenfalls, wenn man ihr Format kennt.
Macht es für den Preis einen Unterschied, wer das Steuergerät gebaut hat? Indirekt. Unser Preis richtet sich nach der Steuergeräte-Generation und danach, ob das Gerät für den Zugang geöffnet werden muss. Den Preis für dein Fahrzeug zeigt der Konfigurator.
Fazit
Bosch, Siemens/Continental, Delphi, Marelli, Denso und Keihin decken den größten Teil der Steuergeräte ab, die in Europa unterwegs sind. Wer den Hersteller und die Familie seines Steuergeräts kennt, weiß schon viel über Zugang und Aufwand. Fahrzeuge außerhalb von BMW bearbeiten wir vor Ort in Stödtlen oder per Einsendung, zum gleichen Preis und online buchbar. Durch die Softwareänderung erlischt die Betriebserlaubnis; die Software ist ausschließlich für den Motorsport bestimmt (Motorsport-Hinweis).