
KTM EXC mit Keihin-Steuergerät: Was die Software verändert
KTM 250 EXC-F bis 500 EXC mit Keihin 812.41.031: Welche Kennfelder das Tuning anfasst, was Pops & Bangs und Party Mode bewirken und wie der Ablauf ist.
25. Oktober 2026 von Leo Efimow
Eine KTM EXC ist ab Werk ein Kompromiss. Sie soll auf der Enduro-Strecke anpacken, gleichzeitig Homologation, Geräuschvorschriften und Abgasgrenzwerte erfüllen und auf der ganzen Welt mit unterschiedlichem Sprit laufen. Das merkst du vor allem an der Gasannahme im unteren Drehzahlbereich und an einer sehr vorsichtigen Schubabschaltung. Viel davon steckt nicht in der Mechanik, sondern in der Software des Steuergeräts. Bei vielen EXC-Modellen der Jahre 2012 bis 2016 ist das ein Keihin-Steuergerät, und genau dort setzt das Tuning an.
Welche EXC-Modelle das Keihin-Steuergerät haben
Das Steuergerät, um das es hier geht, trägt die KTM-Teilenummer 81241031100 (bei KTM „EFI 11“) und ersetzt die ältere 81241031000. Auf dem Gehäuse klebt ein Keihin-Aufkleber, in der zweiten Zeile steht eine Nummer, die mit 812.41.031 beginnt. Die letzten drei Ziffern weichen je nach Softwarestand ab, zum Beispiel .033 oder .100.
| Modell | Baujahre | Hubraum | Serie (ca.) |
|---|---|---|---|
| KTM 250 EXC-F | 2012–2013 | 248,6 cm³ | ca. 42 PS / 27 Nm* |
| KTM 350 EXC-F | 2012–2016 | 349,7 cm³ | über 45 PS / ca. 37 Nm |
| KTM 450 EXC | 2012–2016 | 449,3 cm³ | ca. 51 PS / ca. 45 Nm |
| KTM 500 EXC | 2012–2016 | 510,4 cm³ | ca. 62 PS / ca. 52 Nm* |
| KTM Freeride 350 | 2012–2017 | 349,7 cm³ | 23 PS / 22 Nm |
* Werte vom baugleichen Motor übernommen (250 SX-F bzw. Drehmoment der FE 501). Six-Days- und Factory-Edition-Modelle sind jeweils mit eingeschlossen.

Entscheidend ist nicht das Modell in den Papieren, sondern der Aufkleber. Steht dort eine andere Nummer, steckt ein anderes Steuergerät drin, und dann muss vorher geklärt werden, was geht.
Was im Steuergerät passiert
Das Keihin-Steuergerät regelt Einspritzmenge und Zündwinkel über Kennfelder, also Tabellen, die für jede Kombination aus Drehzahl und Drosselklappenstellung einen Wert vorgeben. Dazu kommen Drehzahlbegrenzer, Schubabschaltung und die Korrekturen für Temperatur und Luftdruck. Das Gerät hat vier Kennfeld-Bänke, die normalerweise über den Map-Schalter für unterschiedliche Fahrcharaktere genutzt werden.
Beim Tuning werden genau diese Tabellen bearbeitet. Wichtig dabei: Die Datei wird nicht pauschal aus einem Archiv aufgespielt, sondern auf den Originalstand deines Steuergeräts abgestimmt, der vorher ausgelesen wird. Deshalb gibt es beim Motorrad auch keine reine Datei zum Selbstaufspielen. Das Steuergerät wird bei uns programmiert, entweder vor Ort oder nach dem Einschicken.
Die drei Optionen im Überblick
Leistungssteigerung. Überarbeitete Zünd- und Einspritzkennfelder für mehr Leistung und direkteres Ansprechen. Du wählst, worauf abgestimmt wird: Super 95 läuft mit jedem Super und ist die sichere Wahl, wenn du nicht immer Super Plus bekommst. Die Super-Plus-Variante nutzt etwas mehr Zündvorlauf. Dann musst du aber auch immer 98 Oktan tanken. Konkrete PS-Zahlen nennen wir hier bewusst nicht, weil Zustand, Auspuff und Luftfilter bei Enduros stark variieren.
Pops & Bangs. Knallen und Blubbern im Schiebebetrieb. Das funktioniert nur, solange du den Gasgriff leicht geöffnet hältst. Bei ganz geschlossenem Gas bleibt es weitgehend ruhig, bei hohen Drehzahlen kann es trotzdem knallen. Den Charakter stellst du auf einer Skala von 1 bis 5 ein: Stufe 1 gibt schnelle, leichte Schüsse, Stufe 5 langsame, kräftige.
Party Mode (Hardcut). Am Drehzahlbegrenzer wird die Zündung unterbrochen und der Zündwinkel nach spät verstellt. Kraftstoff fließt weiter. Das Ergebnis sind Knall und Flammen aus dem Auspuff. Den Klang wählst du über die Hysterese, also darüber, wie lange die Zündung pro Abschaltung aus bleibt, von schnellem „Brrrrr“ bis „Boom Boom“. Die Serien-Abschaltung bleibt als Sicherheitsnetz darüber bestehen.
Fest aktiv oder per Multi-Map
Du kannst eine oder mehrere Optionen fest aktivieren. Dann sind sie immer an, egal welche Map gerade läuft. Alternativ verteilst du die Optionen mit Multi-Map frei auf die vier Kennfeld-Bänke. Eine typische Aufteilung ist Map 1 Serie, Map 2 Leistung, Map 3 Leistung mit Pops & Bangs und Map 4 zusätzlich mit Party Mode. Jede Map trägt dabei ihre eigenen Stärken.
Für Multi-Map brauchst du einen Map-Schalter. Der KTM-Serienschalter (Teilenummer 77239974200) funktioniert. Mit ihm erreichst du am Lenker aber nur zwei Maps: Map 1 und die Map, die am Drehschalter für die Grundeinstellung eingestellt ist. Alle vier Maps direkt gehen mit unseren eigenen Schaltern Stealth und Clean. Die sind derzeit noch in Entwicklung und können vorbestellt werden.
Was es kostet und wie es abläuft
Die Preise sind einfach gehalten:
- eine Option, immer aktiv: 150 €
- mehrere Optionen, immer aktiv: 200 €
- Multi-Map mit vier frei belegbaren Maps: 230 €
- Map-Schalter dazu (nur bei Multi-Map): Stealth +40 €, Clean +80 €
Du stellst dein Tuning im Motorrad-Konfigurator zusammen und wählst, wie es aufs Motorrad kommt. Entweder vor Ort bei uns in Stödtlen mit Wunschtermin, oder du baust das Steuergerät aus und schickst es ein. Per Post dauert das insgesamt ca. 3–7 Tage, inklusive Hin- und Rückversand. Wie der Ausbau geht, steht in der Anleitung zum Einschicken. Für das Modell findest du die Details auch auf der Produktseite, etwa für die KTM 350 EXC-F oder die KTM 450 EXC.
Worauf du vorher achten solltest
Software kann nur so gut arbeiten wie die Mechanik darunter. Bevor du eine EXC abstimmen lässt, lohnt ein kurzer Check:
- Luftfilter und Ansaugtrakt: Ein verdreckter Filter oder ein undichter Ansaugstutzen verfälscht das Gemisch, egal wie gut die Kennfelder sind.
- Ventilspiel: Gerade bei Enduros mit vielen Betriebsstunden lohnt die Kontrolle nach Wartungsplan, sonst leidet der Leerlauf.
- Auspuff: Ist ein Zubehör-Endtopf verbaut, sag es uns bei der Bestellung. Das gehört zu den Infos, die bei der Abstimmung helfen.
- Batterie und Stecker: Eine schwache Batterie oder korrodierte Kontakte sind beim Ausbauen und Programmieren unnötige Fehlerquellen.
Belastung und Rechtslage
Pops & Bangs und Party Mode bedeuten unverbrannten Kraftstoff im Auspuff. Das belastet Auslassventile, Krümmer und Schalldämpfer stärker als die Serienabstimmung, gerade bei Enduros mit kurzen, leichten Auspuffanlagen. Wer viel Party Mode fährt, sollte den Zustand von Endtopf und Dämmmaterial im Blick behalten.
Rechtlich ist die Lage eindeutig. Mit der Änderung der Motorsoftware erlischt die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs. Alle Funktionen sind ausschließlich für den Motorsport bestimmt und im öffentlichen Straßenverkehr nicht zulässig. Das gilt auch für eine EXC mit Straßenzulassung. Details stehen im Motorsport-Hinweis.
Fazit
Bei der KTM EXC mit Keihin 812.41.031 steckt viel Charakter in der Software. Eine Abstimmung auf den ausgelesenen Originalstand bringt direktere Gasannahme und mehr Druck. Die Sound-Funktionen kommen optional dazu, fest aktiv oder sauber getrennt per Multi-Map. Prüf vor der Bestellung den Aufkleber auf deinem Steuergerät, dann weißt du, dass alles passt. Mehr zu den Begriffen findest du im Glossar unter Keihin und Multi-Map.