
Stage 1+ und Stage 2+: Was hinter dem Plus steckt
Stage 1+ und Stage 2+ erklärt: was die Feinabstimmung gegenüber Stage 1 und Stage 2 ändert, für welche Steuergeräte sie geht und was sie kostet.
25. Oktober 2026 von Leo Efimow
Stage 1, Stage 2, Stage 3: Die Stufen sind in der Tuning-Welt einigermaßen etabliert. Spätestens im Konfigurator taucht dann aber eine Zwischenstufe auf: Stage 1+ und Stage 2+. Manche halten das Plus für Marketing, andere für eine „versteckte Stage 2“. Beides trifft es nicht. Das Plus steht für eine Feinabstimmung, die auf der jeweiligen Grundstufe aufbaut und die Reserven der Plattform gezielter nutzt. In diesem Beitrag erklären wir dir, was dabei im Steuergerät passiert, für welche Steuergeräte es in Frage kommt und wie sich der Preis zusammensetzt.
Kurz zur Grundlage: Stage 1 und Stage 2
Stage 1 ist die Software-Optimierung für den Serienzustand. Ladedruck, Füllung, Einspritzmenge, Zündwinkel beziehungsweise Raildruck und die Drehmomentbegrenzer werden innerhalb der Werksreserven angepasst, die Schutzfunktionen bleiben aktiv. Hardware wird nicht verändert.
Stage 2 setzt geänderte Hardware voraus, typischerweise eine Downpipe mit Kat, einen größeren Ladeluftkühler oder eine geänderte Ansaugung. Die Software wird auf den geringeren Abgasgegendruck und die niedrigeren Ladelufttemperaturen abgestimmt. Bei uns ist Stage 2 ausschließlich für den Motorsport vorgesehen.
Beide Stufen sind eine solide Basis. Sie sind aber bewusst so abgestimmt, dass sie auf einer breiten Masse von Fahrzeugen derselben Motorisierung zuverlässig funktionieren, unabhängig davon, ob das Auto viel Kurzstrecke fährt oder regelmäßig auf der Autobahn bewegt wird.

Was das Plus verändert
Stage 1+ verfeinert die Stage-1-Kalibrierung. Die Schwerpunkte:
- Ansprechverhalten: Der Ladedruck baut früher und entschlossener auf, das Auto reagiert direkter auf das Gaspedal.
- Drehmomententfaltung: Die Drehmomentkurve wird über den Drehzahlbereich gleichmäßiger gestaltet, statt nur den Spitzenwert anzuheben.
- Ladedruckkurve: Wo die Plattform es zulässt, wird sie etwas offensiver ausgelegt.
Die Grenzen bleiben dieselben wie bei Stage 1: Kraftstoffdruck, Klopfregelung, Ansauglufttemperatur und Abgastemperatur werden weiter innerhalb der Herstellermargen gehalten. Stage 1+ ist also keine Brechstange, sondern die genauere Nutzung des Spielraums, den Stage 1 aus Sicherheitsgründen offen lässt.
Stage 2+ baut entsprechend auf Stage 2 auf. Zündzeitpunkt, Drehmomentaufbau und Leistungsband werden auf die verbaute Hardware feiner abgestimmt, damit der geringere Abgasgegendruck und der bessere Luftdurchsatz konsequenter genutzt werden. Die Kontrolle von Abgastemperatur, Öltemperatur und Turboladerdrehzahl bleibt Teil der Abstimmung.
Was das Plus nicht ist
Ein paar Abgrenzungen sind wichtig. Stage 1+ ersetzt keine Hardware: Wer mehr will, als ein Serien-Turbo und ein Serien-Ladeluftkühler dauerhaft vertragen, landet bei Stage 2. Das Plus ist außerdem kein fester Leistungsaufschlag. Wie viel es bringt, hängt von der Plattform ab. Manche Motoren haben ab Werk viel Spielraum, andere sind mit Stage 1 schon nahe an dem, was die Hardware sinnvoll hergibt. Konkrete PS-Zahlen nennen wir deshalb bewusst nicht. Als Orientierung für die Grundstufe: Bei den Simos-Turbo-Steuergeräten der EA888-Motoren liegt der typische Stage-1-Gewinn nach unserer Auswertung bei etwa 25–40 % Leistung, bei den VAG-2.0-TDI mit Bosch EDC17 bei etwa 20–30 %. Das sind Richtwerte, keine Zusagen.
Für welche Steuergeräte das Plus geht
Stage 1+ ist nach unserer Datenlage bei praktisch allen Steuergeräte-Familien umsetzbar, vom Bosch EDC17 über Simos und MG1 bis zu den älteren Motronic-Generationen. Bei Stage 2+ ist das Bild gemischter: Bei den meisten modernen Diesel-Familien und einigen Benzinern (etwa Simos-Turbo, Bosch MG1 oder MED17 der Premium-Hersteller) gilt es als machbar, bei vielen anderen Benziner-Familien nur teilweise. „Teilweise“ heißt: Es hängt vom Softwarestand und von der verbauten Hardware ab, deshalb erscheint die Option dort im Konfigurator „auf Anfrage“ und wir prüfen sie anhand deiner Datei.
Was es kostet: zwei Rechenbeispiele
Bei Fahrzeugen außerhalb des BMW-Onlineablaufs kostet Stage 1+ 25 € zusätzlich zum Stage-1-Preis und ist nur zusammen mit Stage 1 buchbar, Stage 2+ 50 € zusätzlich zum Stage-2-Preis und nur zusammen mit Stage 2. Der Grundpreis richtet sich nach Steuergeräte-Generation, Leistung, Baujahr und Zugang.
| Fahrzeug | Steuergerät | Stage 1 | mit Stage 1+ | Stage 2 | mit Stage 2+ |
|---|---|---|---|---|---|
| VW Golf 7 GTI 2.0 TSI, 220 PS | Siemens Simos 18 | ab 450 € | ab 475 € | ab 550 € | ab 600 € |
| VW Golf 6 2.0 TDI, 140 PS | Bosch EDC17CP14 | ab 300 € | ab 325 € | ab 375 € | ab 425 € |
Beim Golf 7 GTI setzt sich der Stage-1-Preis aus der neuesten Steuergeräte-Generation (400 €) und 50 € für den Zugang über Bench/Boot zusammen, weil das Simos 18 dafür geöffnet werden muss. Der Golf 6 TDI liegt in der EDC17-Diesel-Stufe ohne Zuschläge. Für BMW zeigt dir der Konfigurator die Preise passend zu deinem Steuergerät.
Wie die Feinabstimmung entsteht
Ein Plus ist keine fertige Datei aus dem Regal. Grundlage ist immer der ausgelesene Originalstand deines Steuergeräts. Daraus entsteht zunächst die Abstimmung der Grundstufe, auf die das Plus anschließend aufsetzt. Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle:
- Getriebe: Ein Doppelkupplungs- oder Automatikgetriebe hat eigene Drehmomentgrenzen. Bringt das Plus mehr Drehmoment im unteren Bereich, muss das zur Getriebeauslegung passen.
- Kraftstoff: Beim Benziner entscheidet die verwendete Oktanzahl darüber, wie viel Zündwinkel die Klopfregelung zulässt. Eine Abstimmung, die auf höherwertigen Kraftstoff ausgelegt ist, setzt diesen dann auch voraus.
- Nutzungsprofil: Wer viel unter Last fährt, etwa mit Anhänger, braucht andere Schwerpunkte als jemand, der vor allem Wert auf Ansprechverhalten im Stadtverkehr legt.
Bei Stage 2+ kommt die verbaute Hardware hinzu: Welche Downpipe, welcher Ladeluftkühler, welche Ansaugung? Nur wenn das bekannt ist, lässt sich die Abstimmung gezielt darauf auslegen.
Rechtliches
Jede Leistungssteigerung (egal ob Stage 1, Stage 1+ oder höher) verändert die Motorsoftware. Ohne Begutachtung und Eintragung erlischt damit die Betriebserlaubnis. Unsere Software-Funktionen sind ausschließlich für den Motorsport bestimmt; die Einzelheiten stehen im Motorsport-Hinweis. Bei Stage 2 und Stage 2+ gilt zusätzlich: Teile der Abgasanlage dürfen nur mit Katalysator und entsprechender ABE oder Gutachten verbaut werden.
Wann sich das Plus lohnt
Das Plus lohnt sich vor allem, wenn dich bei Stage 1 weniger die Spitzenleistung interessiert als das Fahrgefühl: früheres Ansprechen, ein gleichmäßigerer Durchzug, weniger „Loch“ im unteren Drehzahlbereich. Wer viel überholt, Anhänger zieht oder auf kurvigen Strecken unterwegs ist, merkt das im Alltag deutlicher als ein paar zusätzliche PS am oberen Ende. Bei Stage 2+ ist das Plus sinnvoll, wenn die Hardware schon verbaut ist und die Abstimmung diese Teile auch wirklich ausnutzen soll.
Fazit
Stage 1+ und Stage 2+ sind keine eigenen Tuning-Stufen, sondern Feinabstimmungen der jeweiligen Grundstufe: mehr Ansprechverhalten und eine sauberere Drehmomentkurve innerhalb derselben Sicherheitsgrenzen. Wie viel das bei deinem Motor bringt, hängt von der Plattform ab. Ob das Plus für dein Steuergerät buchbar ist und was es kostet, siehst du im Konfigurator bei der Auswahl der Stufe.