
Multi-Map beim Motorrad: Vier Kennfelder per Schalter
Wie Multi-Map beim Motorrad funktioniert: vier Kennfeld-Bänke, frei belegt mit Leistung, Pops & Bangs und Party Mode, umgeschaltet per Map-Schalter.
25. Oktober 2026 von Leo Efimow
Eine einzige Abstimmung muss beim Motorrad vieles gleichzeitig können: im nassen Wald gutmütig sein, auf der Schotterpiste kräftig anschieben und im Fahrerlager vielleicht auch mal knallen. Das geht nicht ohne Kompromiss. Multi-Map löst das anders. Statt einer Abstimmung liegen bis zu vier im Steuergerät, und du wählst per Schalter, welche gerade gilt. Hier erfährst du, wie das technisch funktioniert, wie du die Maps sinnvoll belegst und welcher Schalter dafür passt.
Vier Kennfeld-Bänke ab Werk
Das Keihin-Steuergerät 812.41.031, das in vielen KTM-, Husaberg- und Husqvarna-Modellen von 2012 bis 2017 steckt, hat vier Kennfeld-Bänke. Jede Bank enthält einen vollständigen Satz an Tabellen für Zündwinkel und Einspritzung. Welche Bank aktiv ist, liest das Steuergerät an zwei Eingängen ab. Ab Werk nutzt KTM das für unterschiedliche Fahrcharaktere, zum Beispiel eine weichere und eine aggressivere Gasannahme.
Beim Tuning werden diese Bänke nicht nur verändert, sondern frei belegt. Das ist der Kern von Multi-Map: Jede der vier Maps bekommt ihre eigene Kombination aus Optionen. Eine Map ohne Option bleibt Serie.
Die Optionen, die du verteilen kannst
Drei Optionen stehen zur Wahl, und jede hat eine eigene Stärke-Einstellung:

| Option | Was sie macht | Einstellung |
|---|---|---|
| Leistungssteigerung | Überarbeitete Zünd- und Einspritzkennfelder für mehr Leistung und direkteres Ansprechen | Super 95 oder Super Plus |
| Pops & Bangs | Knallen und Blubbern im Schiebebetrieb bei leicht geöffnetem Gas | Stufe 1 (schnell, leicht) bis 5 (langsam, kräftig) |
| Party Mode | Hardcut am Begrenzer: Zündung aus, Zündwinkel nach spät, Knall und Flammen | Stufe 1 („Brrrrr“) bis 5 („Boom Boom“) |
Der Clou: Bei Multi-Map trägt jede Map ihre eigenen Stärken. Map 3 kann leicht knallen, Map 4 dagegen kräftig. Auch die Kraftstoffwahl lässt sich pro Map setzen.
Sinnvolle Belegungen
Der Konfigurator startet mit einer gestuften Belegung, die du beliebig ändern kannst:
- Map 1: Serie
- Map 2: Leistung
- Map 3: Leistung und Pops & Bangs
- Map 4: Leistung, Pops & Bangs und Party Mode
Das ist für viele Fahrer bereits passend. Die Serien-Map ist dein Rückfallpunkt, wenn es rutschig wird oder du das Motorrad jemandem leihst. Die Leistungs-Map ist die Alltags-Map für die Strecke. Die beiden Sound-Maps schaltest du nur dann ein, wenn du sie wirklich willst.
Andere Belegungen sind genauso möglich. Manche Fahrer legen zum Beispiel auf Map 2 nur die Leistung mit Super 95 und auf Map 3 die Leistung mit Super Plus, für Tage, an denen sie sicher 98 Oktan im Tank haben. Wer nur den Party Mode schaltbar haben will, lässt Map 1 Serie und legt ihn allein auf Map 2.
Ein Hinweis aus der Praxis: Wenn alle vier Maps identisch belegt sind, ändert der Map-Schalter nichts. Dann reicht die günstigere Variante mit fest aktiven Optionen.
Fest aktiv oder Multi-Map: der Unterschied
Ohne Multi-Map sind die gewählten Optionen immer aktiv, egal welche Map läuft. Das kostet 150 € für eine Option und 200 € für mehrere. Gerade beim Party Mode heißt das: Er greift jedes Mal, wenn der Motor in den Begrenzer läuft, denn er hängt nur an der Drehzahl.
Multi-Map kostet 230 €. Dafür ist jede Funktion nur dort aktiv, wo du sie hingelegt hast. Hast du im Konfigurator schon Optionen fest gewählt und schaltest dann auf Multi-Map um, gehen sie nicht verloren. Sie landen auf Map 2, und Map 1 bleibt Serie.
Welcher Map-Schalter passt
Für Multi-Map brauchst du einen Map-Schalter. Bei der Bestellung entscheidest du dich ausdrücklich für eine Variante, eine Voreinstellung gibt es nicht.
KTM-Serienschalter (Teilenummer 77239974200). Er passt an KTM- und Husqvarna-Modelle 2011–2017 und funktioniert mit unseren Dateien. Er hat am Lenker zwei Stellungen: In Stellung 1 fährst du Map 1, in Stellung 2 die Map, die du am Drehschalter für die Grundeinstellung wählst. Der sitzt je nach Modell im Luftfilterkasten oder unter der Sitzbank. Am Lenker erreichst du also zwei der vier Maps.
Stealth (+40 €). Ein 4-Wege-Drehschalter im 3D-gedruckten Gehäuse, den du versteckt in der Verkleidung unterbringst, wo du möchtest. Jede Stellung ist eine Map. Er ist nicht wasserfest.
Clean (+80 €). Ein Lenkerschalter aus Aluminium mit zwei Tastern, wasserdicht nach IP67. Nichts gedrückt ist Map 1, Taster 1 Map 2, Taster 2 Map 3, beide Map 4.
Beide eigenen Schalter sind noch in Entwicklung. Du kannst sie mit dem Tuning vorbestellen. Sobald sie gebaut sind und die Testphase bestanden haben, bekommst du deinen zum Nachrüsten, und wir informieren dich per E-Mail. Die Umschaltung wird im Leerlauf oder beim Neustart übernommen. Angekündigt ist zusätzlich ein Map-Wechsel per Smartphone.
Bestellung und Ablauf
Multi-Map stellst du im Motorrad-Konfigurator zusammen: Modell und Baujahr wählen, Multi-Map aktivieren, die vier Maps belegen, Schalter wählen. Danach kommst du nach Stödtlen oder schickst das Steuergerät ein. Wir lesen den Originalstand aus, passen alle vier Maps darauf an und programmieren das Steuergerät. Per Post dauert das ca. 3–7 Tage inklusive Versand. Welche Modelle passen, steht auf der Seite zum Keihin-Steuergerät.
Rechtliches und Belastung
Multi-Map macht die Sound-Funktionen schaltbar, aber nicht legal. Mit der Änderung der Motorsoftware erlischt die Betriebserlaubnis, unabhängig davon, welche Map gerade aktiv ist. Alle Funktionen sind ausschließlich für den Motorsport bestimmt und im öffentlichen Straßenverkehr nicht zulässig. Details stehen im Motorsport-Hinweis. Pops & Bangs und Party Mode belasten Auslassventile, Krümmer und Schalldämpfer durch unverbrannten Kraftstoff. Mit Multi-Map fährst du sie wenigstens nur dann, wenn du es willst.
Fazit
Multi-Map nutzt die vier Kennfeld-Bänke des Keihin-Steuergeräts für vier unterschiedliche Charaktere. Du entscheidest, was auf welcher Map liegt und wie stark es wirkt. Der Map-Schalter macht den Wechsel einfach. Mit dem Serienschalter erreichst du zwei Maps, mit Stealth oder Clean alle vier. Wenn du zwischen Gelände, Strecke und Show wechseln willst, ist Multi-Map die flexibelste Lösung. Die Begriffe Multi-Map und Map-Schalter erklärt auch das Glossar.