
Keihin-Steuergeräte bei KTM & Husqvarna: Generationen im Überblick
Vom EXC-Steuergerät 812.41.031 bis zu den großen LC8-Modellen: welche Keihin-Generationen in KTM und Husqvarna stecken und warum der Aufkleber entscheidet.
26. Oktober 2026 von Leo Efimow
„Hat meine KTM ein Keihin-Steuergerät?“ Die Antwort ist fast immer ja. Die nächste Frage ist schwieriger: welches? Keihin liefert KTM und Husqvarna seit vielen Jahren die Motorsteuerung, aber nicht ein einziges Gerät, sondern mehrere Generationen, die sich in Größe, Aufbau und Funktionsumfang deutlich unterscheiden. Für das Tuning ist das entscheidend, denn eine Datei passt immer nur zu genau einem Gerät. Hier bekommst du einen Überblick, welche Generationen es gibt, in welchen Modellen sie stecken und woran du deins erkennst.
Wer Keihin ist
Keihin ist ein japanischer Zulieferer, der im Motorradbereich seit Jahrzehnten eine feste Größe ist. Bekannt wurde die Marke mit Vergasern. Wer eine ältere KTM-Enduro oder -Crossmaschine kennt, kennt meist auch den Keihin-Flachschiebervergaser. Mit dem Wechsel zur Einspritzung kamen von Keihin auch Drosselklappen, Einspritzdüsen und die Steuergeräte dazu. Seit 2021 gehört Keihin zu Hitachi Astemo, auf den Geräten steht aber weiterhin der Keihin-Aufkleber.
Bei KTM ist die Zusammenarbeit besonders eng. Nachdem KTM 2013 Husqvarna übernommen hat und Husaberg in Husqvarna aufgegangen ist, laufen viele Modelle dieser Marken auf gemeinsamer Technik. Deshalb tauchen in Enduros aller drei Marken oft dieselben Steuergeräte auf.
Generation 1 im Gelände: das kompakte EXC-Steuergerät
Mit dem Modelljahr 2012 hat KTM die Viertakt-Enduros der EXC-Reihe auf Einspritzung umgestellt. Dafür kam ein kleines, leichtes Keihin-Steuergerät, das bei KTM als „EFI 11“ geführt wird. Die KTM-Teilenummer lautet 81241031100, sie ersetzt die ältere 81241031000. Auf dem Keihin-Aufkleber steht in der zweiten Zeile eine Nummer, die mit 812.41.031 beginnt.

Dieses Gerät steckt in einer ganzen Reihe von Modellen:
| Marke | Modelle | Baujahre |
|---|---|---|
| KTM | 250 EXC-F | 2012–2013 |
| KTM | 350 EXC-F, 450 EXC, 500 EXC | 2012–2016 |
| KTM | Freeride 350 | 2012–2017 |
| KTM | 450 SMR | 2013–2014 |
| KTM | 250 SX-F, 350 SX-F | 2014 |
| KTM | 450 SX-F | 2014–2015 |
| Husaberg | FE 250 / FE 350, 450, 501 | 2013 / 2013–2014 |
| Husqvarna | FE 350, 450, 501 | 2014–2016 |
| Husqvarna | FC 250 | 2014 |
Typisch für diese Generation sind vier vollständige Kennfeld-Bänke, zwischen denen das Gerät im Betrieb umschaltet. Ab Werk ist das für unterschiedliche Fahrcharaktere gedacht, beim Tuning ist es die Grundlage für Multi-Map. Die vollständige Liste mit Hubraum und Serienwerten findest du auf der Seite zum Keihin 81241031100.
Die Nachfolger im Gelände
Die Modellpflege bei KTM ist schnell. Mit neuen Motoren und Rahmen kamen auch neue Steuergeräte. Die SX-F ab Modelljahr 2016 hat zum Beispiel ein anderes Gerät mit der Nummer 79041031000. Auch die 250er-Viertakter ab Modelljahr 2014 laufen nicht mehr mit dem EXC-Gerät, und bei den späteren EXC-Modelljahren steckt ebenfalls ein neueres Steuergerät drin.
Von außen sehen sich die Geräte teilweise ähnlich. Innen unterscheiden sie sich in Speicher, Software und Programmierweg. Eine Datei für das EXC-Gerät lässt sich deshalb nicht einfach auf ein Nachfolgegerät übertragen, auch wenn das Motorrad fast gleich aussieht.
Die großen Einzylinder: 690 und 701
Die KTM 690 mit dem LC4-Motor und die Husqvarna 701 sind eine eigene Welt. Sie sind keine Sportenduros, sondern große Straßen- und Reiseeinzylinder, in den aktuellen Versionen mit Ride-by-Wire und deutlich mehr Elektronik. Entsprechend nutzen sie ein eigenes, größeres Keihin-Steuergerät. Bei der 690 ist das die Teilenummer 76041031000. Mit dem EXC-Gerät hat es außer dem Hersteller wenig gemeinsam.
Die Zweizylinder: LC8 von Adventure bis Super Duke
Bei den großen Zweizylindern hat KTM ebenfalls mehrere Keihin-Generationen verbaut. Grob lassen sich drei Abschnitte unterscheiden:
- Ältere LC8-Modelle der 990-Ära mit einer älteren Steuergeräte-Generation.
- Die 1190/1290-Generation ab Mitte der 2010er Jahre, etwa 1290 Super Duke, 1290 Super Adventure oder 1090 Adventure. Hier kamen Fahrmodi, Traktionskontrolle und Ride-by-Wire dazu, und damit eine deutlich leistungsfähigere Steuerung.
- Die aktuelle Generation in den neuesten großen Modellen wie der 1390 Super Duke, mit nochmals neuer Technik.
Für diese Modelle gilt erst recht: Die Generation bestimmt, wie das Gerät ausgelesen und programmiert wird und was überhaupt möglich ist. Eine Pauschalaussage für „die KTM-Keihin“ gibt es nicht.
Warum der Aufkleber mehr zählt als das Modell
Modellname und Baujahr sind ein guter erster Hinweis, mehr nicht. Es gibt Übergangsjahre, Sondermodelle, Importfahrzeuge und Motorräder, bei denen schon einmal ein Steuergerät getauscht wurde. Sicher ist nur, was auf dem Gerät steht.
So prüfst du es:
- Sitzbank abnehmen. Bei den Enduros sitzt das Steuergerät meist darunter in einer Gummihalterung.
- Aufkleber lesen. Auf dem Keihin-Aufkleber steht in der zweiten Zeile die Hardwarenummer. Beim EXC-Gerät beginnt sie mit 812.41.031, die letzten drei Ziffern können je nach Softwarestand abweichen, zum Beispiel .033 oder .100.
- Foto machen. Ein scharfes Foto des Aufklebers erspart später Rückfragen.
Steht dort eine andere Nummer, ist das kein Problem, sondern nur eine andere Ausgangslage. Dann muss vorher geklärt werden, was bei diesem Gerät geht.
Was die Generation für dein Tuning bedeutet
In der Praxis entscheidet die Generation über drei Dinge:
- Welche Datei passt. Abgestimmt wird immer auf den ausgelesenen Originalstand deines Geräts, nicht auf eine Datei aus dem Archiv.
- Welche Funktionen sinnvoll sind. Das EXC-Gerät mit seinen vier Kennfeld-Bänken eignet sich zum Beispiel ideal für Multi-Map. Bei anderen Generationen sieht der Aufbau anders aus.
- Wie es aufs Motorrad kommt. Je nach Gerät unterscheiden sich Werkzeug und Verfahren. Deshalb wird das Steuergerät bei uns programmiert und nicht per Datei verschickt.
Online konfigurierbar sind derzeit alle Modelle mit dem Keihin-Steuergerät 812.41.031. Für sie stellst du im Motorrad-Konfigurator Leistung, Pops & Bangs, Party Mode oder Multi-Map zusammen. Die Preise starten bei 150 € für eine Option, mehrere Optionen kosten 200 €, Multi-Map 230 €. Dein Motorrad bringst du nach Stödtlen oder du schickst das Steuergerät ein, per Post dauert das insgesamt ca. 3–7 Tage inklusive Versand. Wie das geht, steht im Beitrag zum Einschicken des Motorrad-Steuergeräts. Ist dein Modell nicht dabei, kannst du im Konfigurator eine Anfrage stellen.
Rechtlicher Rahmen
Unabhängig von der Generation gilt: Mit einer Änderung der Motorsoftware erlischt die Betriebserlaubnis. Alle Funktionen sind ausschließlich für den Motorsport bestimmt und im öffentlichen Straßenverkehr nicht zulässig, auch bei einer Enduro mit Straßenzulassung. Details stehen im Motorsport-Hinweis.
Fazit
„Keihin“ ist bei KTM und Husqvarna keine Gerätebezeichnung, sondern ein Hersteller mit mehreren Generationen. Bei den Enduros von 2012 bis 2016 ist es meist das kompakte EXC-Gerät 812.41.031, bei 690/701 und den Zweizylindern sind es eigene, größere Geräte. Bevor du bestellst, schau auf den Aufkleber. Was das Tuning beim EXC-Gerät konkret verändert, liest du im Beitrag zur KTM EXC mit Keihin-Steuergerät, den Begriff selbst im Glossar unter Keihin.